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“Trocks” and Roll

Silvia Kargl, Vienna, Austria
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Die “Trockaderos” sind zu Gast in Wien. Ihre einzigartige Mischung von Parodie und Spaß am Tanz kennt alle Tricks des klassischen Balletts.

Schon bevor sich der Vorhang für die ausschließlich männlichen Ballerinen von “Les Ballets Trockadero de Monte Carlo” (beheimatet in New York) zum Gastspiel im Wiener Ronacher öffnet, lässt sich die Ballerina “Cheekaboomskaja” in einer Ansage mit russischem Akzent entschuldigen. Es empfiehlt sich, die Künstlernamen der schließlich auftretenden Tänzer laut auszusprechen: Ida Nevasayneva ist auch Velour Pilleaux, Svetlana Lofatkina auch Prince R. M. Myshkin.

Das Besondere an den “Trocks” ist, dass sie nicht so sehr auf die komische Wirkung von Männern in Spitzenschuhen und Tutus setzen. Ihre geistreichen und liebevollen Parodien sind längst ein fester und anerkannter Bestandteil der internationalen Ballettwelt.

Ballettfans freuen sich am Erkennen zahlreicher Anspielungen, für Nicht-Eingeweihte bietet sich ein leichter Zugang zur Kunstform Ballett. Beinahe unmerklich erfolgt der Übergang vom Lachen über eingebaute Fehler, ungewöhnliche Charakterisierungen und dem Aufbrechen von Hierarchien innerhalb klassischer Ballettcompagnien bis zum Staunen über das enorme technische Können. Die komödiantischen Effekte vom 2. Akt aus Tschaikowskijs “Schwanensee” bis zum Divertissement aus “Paquita”, angeführt von “Olga Supphozova” (Robert Carter mit virtuosen Fouette`s, Dreifachpirouetten und enormer Balance), beruhen nicht auf der Nachahmung weiblicher Bewegungen, sondern auf dem Bruch mit der vertrauten Betrachtungsweise klassischer Choreografien, denen man üblicher Weise meist einen ätherischen und weiblichen Touch unterstellt.

“Patterns in Space” ist dem Stil von Merce Cunningham verpflichtet, doch der Clou ist hier die von Tänzern dargebotene Live-Musik “nach John Cage”. “Yes, Virginia, Another Piano Ballet” wiederum befasst sich mit dem hierzulande zu Unrecht wenig gepflegten Stil von Jerome Robbins.

Das Markenzeichen der “Trocks” ist das Solo “Der sterbende Schwan” – eine Studie über das Wesen von Primadonnen schlechthin, zugleich auch über Stars und Öffentlichkeit, sucht doch der Schwan noch mit seinen letzten Zuckungen die Anerkennung des Publikums.

Zwei Programme bis 30. 3., Ronacher Wien, Tel. 01/58 8 85.