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Review: Les Ballets Trockadero de Monte Carlo

Kultur NRW
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Von Katja Lenz Düsseldorf – Schwanensee, 2. Akt: Der böse Rothbart tanzt auf die Bühne, er ist etwas pummelig, zwischendurch geht ihm die Puste aus. Im Publikum wird schon gekichert. Dann kommen Prinz Siegfried und Schwan Odette. Sie dreht elegante, formvollendete Pirouetten, überraschend kraftvoll. Odette wird nicht von einer drahtigen, flachbrüstigen Primaballerina dargestellt. Sondern von einem Kerl: Am Oberkörper und unter den Achseln sprießen die Haarbüschel.

Bei „Les Ballets Trockadero de Monte Carlo“, die im Opernhaus Düsseldorf gastieren, ist alles etwas anders. Sämtliche Rollen werden von Männern getanzt.

Die Compagnie, die vor fast 40 Jahren in New York gegründet wurde, zeigt klassisches Ballett mit Tutu, strammen Frisuren und großen Gesten. Die Herren sind phantastische Tänzer, sie treiben alles auf die Spitze – und darüber hinaus: Odette streicht sich zwischen zwei Pirouetten verärgert das Röckchen in Form, droht ihrem Prinzen mit den Fäusten, schneidet Grimassen. Dafür lässt Siegfried sie beim Pas de Deux fallen. Kein Wunder, dass die beiden im Schwanensee Beziehungsprobleme haben… Ist das Klamauk einer Travestie-Truppe? So einfach ist das nicht. Es ist eine Verbeugung vor dem Ballett-Tanz auf sehr hohem Niveau, allerdings mit ungewohnten Mitteln. Wobei der Respekt vor den Vorbildern gelegentlich abhanden kommt: Der „Tanz der vier kleinen Schwäne“ beinhaltet praktisch alles, was bei Aufführungen schief gehen kann. Einer stolpert im Purzelbaum auf die Bühne, einer schaut penetrant in die falsche Richtung und alle tanzen aus der Reihe, weil jeder einzelne der Allerbeste sein will.

Man muss kein Ballett-Freund sein, um diese Aufführung zu mögen. Aber es schadet auch nicht. Während das Schwänchen-Gehopse haarscharf an Slapstick vorbeischrammt, wird beim „Don Quixote Pas de Deux“ mehr klassischer Tanz nach russischem Vorbild gezeigt. Dass zwei Männer am Werk sind, darf ausgeblendet werden – zumindest eine Zeitlang. Denn immer, wenn sich die Darbietung vollständig in die Schönheit des Tanzens zurückgezogen hat, kommt wieder ein lustiger Klopper: Sie klappt den Fächer falschrum auf, die beiden verhakeln sich mit den Fingern, er strauchelt beim Hochheben, einer knallt aufs Parkett. Er hat ordentlich zu stemmen, denn „Alla Snizova“, die die weibliche Rolle tanzt, ist mindestens so groß wie „Andrei Leftov“. Die Künstlernamen sind Teil des Programms: Snizova wird im Begleitheft als „die Niedliche“ beschrieben, die wegen einer Allergie nur kurze Stücke tanzen kann. Leftov, das „Plunderteilchen des Russischen Balletts“, tanzt dagegen auch in seinem siebenteiligen Film „Schrei aus der Kutsche“…Auf ein Bühnenbild wird verzichtet. Auch beim Solo von „Gerd Törd“ („Engel aus Tschernobyl“, ein geschmeidiger Schlacks), die den „Sterbenden Schwan“ gibt. Schluchzend und von sich selbst ergriffen trippelt sie auf die Bühne, unaufhörlich lässt sie Federn, die aus dem Tutu rieseln und später an ihren Fingern pappen. Es ist trotzdem eine sehr berührende Darstellung, inklusive der Seitenhiebe auf Primaballerina-Diven. Denn als der Schwan schon gestorben am Bühnenrand liegt und Applaus aufbrandet, fordert die Tänzerin mit kleinen Gesten noch mehr, und noch mehr, und noch mehr… um sich dann mit Handküsschen affektiert zu verabschieden.

Zwei Stunden dauert die Aufführung, es gibt zwei Pausen. „Les Ballets Trockadero“ arbeiten sich parodierend auf hohem Niveau durch fünf berühmte Choreografien. Sie liefern die Hintergründe des klassischen Ballett-Betriebes gleich mit und stützen quasi im Vorbeidrehen gängige Vorurteile: Es wird geschubst, gezickt und gestolpert. Aber auch wunderbar getanzt.

Bis 28.7. Deutsche Oper am Rhein, Düsseldorf, 30. 7. – 4.8. Philharmonie Köln, .

English Translation

Katja Lenz Dusseldorf – Swan Lake, 2 Act: The evil Rothbart dancing on the stage, he is a bit chubby, between him running out of breath. In the audience is already giggling. Then come swan Odette and Prince Siegfried. She turns elegant, perfectly shaped pirouettes, surprisingly powerful. Odette is not shown by a wiry, flat-chested prima ballerina. But from a guy: On the upper body and armpits sprouting tufts of hair.

In “Les Ballets Trockadero de Monte Carlo,” which guesting in Dusseldorf Opera House, everything is different. All roles are danced by men.

The Company, which was founded almost 40 years ago in New York, shows classical ballet tutu, tight hairstyles and grand gestures. The gentlemen are fantastic dancers, they drive everything to the extreme – and beyond: Odette rubs between two pirouettes upset the skirt in shape, threatens her prince with his fists, grimaces. Siegfried leaves they fall for it in the pas de deux. No wonder that the two in the Swan relationship problems

… Is this a slapstick travesty troupe? So is not that simple. It is a homage to the ballet dance at a very high level, but with unusual means. With respect for the models occasionally lost: The “dance of the four little swans” includes virtually everything that can go wrong during performances. One stumbles in somersault onto the stage, a penetrating look in the wrong direction and all out of line, because each wants to be the very best.

It does not take ballet friend to like this show. But it does not hurt. While the Schwänchen-Gehopse narrowly past scars on slapstick, the “Don Quixote Pas de Deux” more classical dance is shown on the Russian model. That two men are at work, may be hidden – at least for a while. Because always, when the performance was completely withdrawn into the beauty of dancing, comes back a funny Klopper: It works the wrong way on subjects, the two verhakeln his fingers, he stumbles when lifting, one pops onto the dance floor. He has to lift properly, because “Alla Snizova” who dances the female role is at least as large as “Andrei Leftov”. The artists’ names are part of the program: Snizova is described in the booklet as the “Cute”, which can only dance short pieces due to an allergy. Leftov, the “Danishes of the Ballets Russes,” hand dancing in his seven-part film “Cry of the coach” …

On a stage is omitted. Also in the solo of “Gerd Törd” (“Angel of Chernobyl”, a lithe lanky), which is the “Dying Swan”. Sobbing and taken by itself it shuffles onto the stage, they can continually springs from the Tutu trickle paperboard and later on her fingers. It’s still a very touching presentation, including swipes at Prima Ballerina divas. For when the swan is already dead at the edge of the stage and applause aufbrandet, calls for the dancer with small gestures even more, and more and more … to say goodbye then campy hand with kisses.

Two hour performance, there are two breaks. “Les Ballets Trockadero” to work parodying at a high level by five famous choreography. They provide the background of classical ballet with the same operation and support quasi-By turning common prejudices: it is pushed, gezickt and stumbled. But also danced wonderfully.

To 28.7. German Opera on the Rhine, Dusseldorf, 30 7 – 4.8. Philharmonie Cologne.