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Abend mit Spitzen-Mannern

Andrea Amort, Vienna, Austria
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Kurier, Wein, Austria Freitag

Ronacher Theater

Vienna Austria
Tuesday, March 11 to Sunday, March 30

Les Ballets Trockadero de Monte Carlo: Ihr Name lauft ihnen seit Jahren vorauc. Dem Kenner suggeriert er herrlich kalkulierten Spass mit Hintergrund, dem Tanzgewogenen Unterhaltung aus dem Ballett-Metiere und dem einfach einen guten Abend geniessen den Zuschauer Schabernack der Sonderklasse.

Der Abend? Eine einzige Anspielung auf Ge ­ und Verbote, Gewohnheiten und Fehlschlage im klassischen und modernen Tanz. Les Ballet Trockadero: Das bedeutet reine Mannersache, allerdings en travesty. Kerle uberhohen klassische Prinzen und ubertrumpfen die Damem Ballerinen stilsicher in Spitzen schuhen.

Blasiertheit

Nebstbei is Monte Carlo eine weitere Anspielung auf die Ensembles der legendaren Ballets Russes. Und hauptsachlich wird auch Geschichte getanzt, als die ballettwelt noch in ordnung war und die Tanzerinnen noch Zeit fur Blasiertheit, die Ballerinos Mutzur Dekadenz und zu hellblauem Lidschatten hatten.

Die “Trocks” (aus New York), wie sie liebevoll genannt warden, tanzen unterschiedlich veranderte Originalchoreografien, die aber ihren ursprunglichen Charakter behalten. Wie etwa den “Sterbenden Schwan”, der an mitleidheischender Eleganz, gepaart mit der sagaenhaften Eitelkeit des Ballerinos, zum Lachen schaurig-schon dist. Ununterbrochen fallen die Federn aus seinem Kostum und das aufgestickte rote Herz, ohne das auch die Pawlowa nicht auskam ist naturlich da.

Sind die Trocks originaler als ihre Vorbilder Spatestens be idem Grant Pas aus “Paquita” (Petipa/Minkus), einem franzosisch-russischen Erbstuck aus dem 19. Jahrhundert, konnte man zu einer solchen Auffassung kommen. Ein Auftritt der “Damen” spannender als der andere, Details en masse. Das Kirow Ballett darf sich geehrtfuglen.

Eine Show fur sich: Der 2 Akt aus dem Tschaikowsky-Hit “Schwanensee”. Wie hartnackig, widerspenstig, ja verschlagen Odette sein kann, das zeigen die “Trocks”. Auf dieser Ballettbuhne menschelt es einfach und die Tanzformen warden durchbrochen. Kostlich auch die Merce Cunningham Parodie “Patterns in Space” von Meg Harper und “Yes, Virginia, Another Piano Ballet”, eine Paraphrase auf Jerome Robbins’ Meisterwerk “Dances at a Gathering” (Chopin) von Peter Anastos. Tanzelt da o ben nicht die legendare Violette Verdy?